Was private und gesetzliche Krankenversicherung leisten

Chefarztbehandlung im Einbettzimmer, bevorzugte Terminvergabe beim Facharzt, großzügige Leistungen: Für viele ist dies das gängige Bild privater Krankenversicherungen. Doch was unterscheidet die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) eigentlich von der privaten Krankenversicherung (PKV)? Sind private Versicherungstarife nur etwas für Besserverdiener? Tatsächlich muss sich die GKV mit ihrem Leistungsspektrum nicht hinter dem der PKV verstecken.

Was Verbraucher ueber PKV und GKV wissen sollten

Gesetzliche Krankenkassen sind selbstverwaltende Körperschaften des öffentlichen Rechts, während private Krankenkassen privatwirtschaftliche Unternehmen darstellen. Die gesetzliche Krankenkasse beruht auf dem Solidaritätsprinzip, berechnet ihre Leistungen jedoch nach dem Wirtschaftlichkeitsprinzip (krankenkassenvergleich.de). Eine PKV bietet hingegen viele Zusatzleistungen, kann sich aber seine Kunden – also Versicherungsnehmer – selbst aussuchen. Dafür müssen Interessiere bei der PKV vor allem eine Gesundheitsprüfung vor der Aufnahme absolvieren, die u.a. über die monatliche Beitragshöhe der Versicherten entscheidet.

Fuer wen lohnt sich PKV und GKV?

Die Aufnahme in die PKV orientiert sich zudem nach Einkommen und dem individuellen Gesundheitsrisiko. Wer also gesund und jung oder andernfalls gesund und finanziell gut versorgt ist, profitiert von den PKV-Tarifen. Hierzu zählen vor allem Beamte und Berufsrichter, die Anspruch auf Beihilfen haben. Auch Angestellte können in die PKV wechseln, vorausgesetzt, ihr Jahresbruttoeinkommen entspricht der festgelegten Jahresarbeitsentgeltgrenze von 54.900 € Euro (Stand: 1. Januar 2015). Unter bestimmten Voraussetzungen können sich auch Studenten oder Geringverdiener (z.B. Hausmann oder – frau) privat versichern lassen. Hierfür sollten sich Interessierte noch einmal gründlich beraten lassen.

Unterschiede GKV und PKV – Versicherungspflicht und Aufnahmekriterien

Knapp 90 Prozent der Bevölkerung sind 2015 in Deutschland gesetzlich krankenversichert. Aufnahmehürden wie bei der privaten Krankenversicherung gibt es für die GKV nur wenige: Beispielsweise können Versicherungsnehmer über 55 Jahren, die von der PKV in die GKV wechseln möchten oder Personen, die fünf Jahre vor Aufnahmewunsch von der Versicherungspflicht befreit waren sowie privat versicherte Angestellte nur schwer (erneut) Mitglieder einer GKV werden. Nachteilig erweisen sich auch die mangelnden Zusatzleistungen der GKV, da diese nicht dem Wirtschaftlichkeitsprinzip der gesetzlichen Kassen entsprechen. Dazu gehören u.a. Zahnersatz oder spezielle Therapien. Viele PKV-Tarife bieten im Vergleich dazu genau diese Zusatzleistungen paketweise an. Weitere Abstriche gibt es bei der Beitragsgestaltung der GKV – der monatliche Beitrag ist abhängig vom Einkommen, Gutverdiener zahlen also in der gesetzlichen Gesundheitsversorgung deutlich mehr. Dieser Beitrag ist jedoch gedeckelt.

Die Beitragshöhe der PKV setzt sich wiederum zusammen aus einer Risikoabwägung von u.a. Alter, Berufsgruppe, Gesundheitszustand sowie Wunschleistungen (z.B. Chefarztbehandlung). Bis Dezember 2012 war auch das Geschlecht (sogenannter Bisex-Tarif) für die Beitragsberechnung ausschlaggebend, Frauen zahlten dabei oft mehr. Dieses Kriterium wurde abgeschafft und für Neuabschlüsse ab Dezember 2012 durch Unisex-Tarife ersetzt. Die Beiträge der PKV können ebenso wie die der GKV ansteigen – beispielsweise wenn die allgemeinen Gesundheitskosten steigen, die Einnahmen des Unternehmens sinken oder jüngere Tarifzahler sterben.

Kritische Stimmen raten daher eher zu einer Kombinationen aus soliden GKV-Leistungen sowie einzelnen Zusatzversicherungen, um einen optimalen und bis ins hohe Alter bezahlbaren Gesundheitsschutz zu gewährleisten.